Das Pfefferspray – Selbstverteidigung auf Knopfdruck

Immer mehr Menschen (besonders Frauen) greifen auf das Pfefferspray zur Verteidigung zurück. Die kleine Sprühdose ist nicht nur effektiv gegen ungebetene Begleiter, sondern auch handlich und passt dabei auch noch in die Tasche. Ob es rechtliche Bedenken gibt und wie man am besten damit umgeht ist jetzt noch zu klären.

pfefferspray

Wie funktioniert Pfefferspray?

Das Pfefferspray wird als Fernkampfwaffe verwendet. Einem ankommenden Angreifer wird die Dose entgegengehalten und der Wirkstoff in die Augen gesprüht. In den meisten Fällen reicht ein kurzes Drücken, da beim Pfefferspray ein Strahl ausgesprüht wird, der bis zu 5 Meter weit reicht. Dieser schießt schnell aus der Dose und in einem kleinen Radius nach vorne. Der Auslöser wird mit dem Daumen gedrückt, die Dose sollte dabei fest in der Hand und nah am Körper liegen, damit der Angreifer sie nicht aus der Hand schlagen kann.

Auch wenn man im Eifer des Gefechts oder einfach aus Panik nicht auf den Wind achtet: selbst stark sprühende Dosen können starkem Gegenwind nicht trotzen. Das bedeutet, dass man Pfefferspray nicht bei schlechten Windbedingungen benutzen sollte, weil der Wirkstoff sonst ins eigene Gesicht gelangen könnte, womit man ein noch leichteres Ziel wäre.

Da die Dose unter Druck steht sollte man diese niemals großer Hitze aussetzen, denn hier besteht Explosionsgefahr. Man sollte die Dosen stets an derselben Stelle aufbewahren, und zwar so, dass man bei Gefahr nicht lange danach suchen muss. Wichtig ist auch, dass man Pfefferspray in der sog. “CS-Variante” (als austretendes Gas anstatt als Sprühstrahl) nicht mehr als ein Mal nutzen sollte. Nachdem die Versiegelung am Verschluss erst einmal entfernt wurde könnte Gas unbemerkt austreten und die Dose für den weiteren Gebrauch unbrauchbar machen.

Welcher Reizstoff wirkt beim Pfefferspray?

Der Reizstoff, der im Pfefferspray für den heftigen Reiz sorgt, heißt Capsaicin (kurz CPS). Bei Menschen und anderen Säugetieren löst die direkte Berührung im Augenbereich den bekannten Schmerzreiz aus. Das Ziel des Capsaicins sind schmerzempfindliche Nervenzellen in der Bindehaut, die bei Kontakt mit dem Wirkstoff heftig reagieren und die Durchblutung erhöhen.

Hierbei wird auch der Neurotransmitter “P” ausgeschüttet, der für den Schmerz (engl. “pain”) sorgt. Dieser Transmitter “P” ist dafür zuständig, die Blutgefäße zu erweitern, was auch bei Hitzeeinwirkung passiert. Dies ist auch der Grund, weswegen sich “heiß” und “scharf” ähnlich anfühlen.

Um die “Schärfe” eines Abwehrsprays zu messen verwendet man die sog. Scoville-Skala, die auch bei sehr scharfen Lebensmitteln Verwendung findet. Damit kann gemessen werden, wie viele Tropfen Wasser benötigt werden, um einen Tropfen Wirkstoff zu “entschärfen”. Die meisten Tabasco Soßen sind für die meisten Menschen extrem scharf, kommen aber gerade einmal auf 1500 Scoville, während die schärfste Chilischote der Welt, die “16 Million Reserve”, es auf einen unglaublichen Wert von 16 Millionen Scoville schafft.

Der Verzehr einer solchen Schote kann schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen mit sich ziehen. Üblich bei Abwehrsprays ist eine Mischung aus Chili- und Paprikaextrakten, die zusammen einen Wert von 1,5 Millionen Scoville betragen. Das ist immer noch genug, um erheblichen Schaden anzurichten.

Ist das Pfefferspray legal?

Beim Pfefferspray liegt eine ganz besondere Rechtslage vor. Offiziell dürfen nur solche Dosen gekauft werden, die mit der Aufschrift “‘Nur zur Tierabwehr” gekennzeichnet sind. Ist eine solche Kennzeichnung nicht gegeben oder nicht eindeutig identifizierbar, handelt es sich um eine illegale Dose und der Kauf daher verboten. Mit der notwendigen Kennzeichnung kann Pfefferspray hingegen ohne Altersbeschränkung gekauft werden.

Aus der Rechtslage ergibt sich, dass Pfefferspray hauptsächlich gegen Tiere genutzt werden sollte. Deswegen ist auch oft die Rede vom “Tierabwehrspray”. In Notwehrsituationen (und nur dann) darf das Pfefferspray aber auch gegen Menschen benutzt werden. Verboten ist, das Spray einzusetzen, ohne dabei in Gefahr gewesen zu sein. Natürlich ist im Nachhinein schwer festzustellen, ob der Nutzer tatsächlich in Gefahr war oder aus Angst überreagiert hat.

Einfacher nachzuweisen ist jedoch, ob das Abwehrspray zu lange benutzt wurde. Moderne Methoden erlauben es der Polizei, die Menge des Wirkstoffs in Augen oder Mund sehr genau nachzuvollziehen. Dies ist deshalb wichtig, weil immer mehr Menschen vergessen, wo die Grenze zwischen “Notwehr” und sog. “Notwehrexzess” liegt.

Der Notwehrexzess liegt dann vor, wenn der Verteidiger weiter angreift, obwohl die eigene Sicherheit nicht mehr gefährdet ist. Dies stellt nach § 33 StGB eine Straftat dar und wird im Falle eines Strafprozesses ebenfalls geprüft.

Ein Beispiel dafür wäre folgende Situation:

Der Angreifer wurde vom Abwehrspray an den Augen getroffen und fällt zu Boden. Somit ist die Gefahr für den Verteidiger erstmal gebannt und er könnte den Notruf bzw. die Polizei rufen. Doch stattdessen sprüht er (aus Verwirrung, Angst oder sonstigen Erscheinungen) weiter auf den Angreifer ein. Diese Handlung würde die Grenzen der Notwehr überschreiten und in eine Straftat übergehen.

Wie gefährlich ist Pfefferspray?

Wie oben erwähnt stecken in Abwehrsprays gefährlich scharfe Konzentrationen von Capsaicin. Pfefferspray wirkt deshalb auch stärker als die CS-Gas Variante. Ein kaum sichtbarer Tropfen in einem ganzen Topf würde sich auf das ganze Essen verteilen und es ungenießbar machen. Es ist wichtig zu wissen, welchen Schmerz eine solche Schärfe verursachen kann, damit man nicht nur auf die eigene Sicherheit, sondern auch auf die Gesundheit der Anderen achtet (z.B. nahestehende Personen).

Es kann nämlich vorkommen, dass durch Wind oder falsche Nutzung des Pfeffersprays ein Passant (mit Asthma) getroffen wird. Ein Abwehrspray reizt auch die Atemwege, was für Asthmatiker lebensgefährlich sein kann. Der Kontakt mit dem Konzentrat würde zu Hustenanfällen führen, und da die Bronchien von Asthmatikern ohnehin leichter zusammenziehen, kann es im Extremfall zum Atemstillstand kommen.

Für die Augen stellt Pfefferspray auch eine Gefahr da: wer das Spray aus kurzer Distanz ins Auge gesprüht bekommt kann Schäden an der Hornhaut erleiden. Diese würde sich dann schwer entzünden und könnte zur dauerhaften Minderung der Sehkraft führen. Kurzfristig kann es auch zur kompletten Blindheit kommen. Der Getroffene erleidet in den meisten Fällen einen Schock, gerät in Panik oder verliert kurzzeitig die Orientierung.

Erfahrungen und Anregungen zum Pfefferspray

Obwohl wir selber keine Tests mit dem Pfefferspray durchgeführt haben möchten wir dennoch unsere Erfahrungen an dieser Stelle mit auf den Weg geben. Zunächst ist wichtig, dass man sich ausführlich informiert. Wer denkt, man könne sich nach dem Kauf eines Abwehrsprays beruhigt zurücklehnen, liegt falsch. Der Umgang mit dem Spray muss geübt und im besten Falle perfektioniert werden. Nur so kann man vermeiden, dass im Ernstfall etwas schiefgeht. Selbst Mitglieder der Polizei müssen ein langes Training absolvieren, bevor sie das Präparat auf Menschen feuern dürfen.

Wer sich weitere Artikel auf dieser Seite durchgelesen hat weiß, dass mentales Training fast wichtiger ist als eine gute Führung. Bei Gefahr kann der eigene Körper nämlich zur größten Gefahr werden. Wer Selbstbeherrschung und Konzentration (trotz Stress) nachweisen kann, der hat den Kampf bereits für sich entschieden. Selbstverteidigungswaffen sind letztlich, wie der Name schon sagt, Waffen, weswegen man hier nichts auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Wer sich beim Kauf nicht auf ein Gespräch mit einem Fachhändler einlassen möchte und lieber auf Produkttests vertraut sollte sich Folgendes vor Augen halten: viele Produkttests haben das Ziel, ein Produkt zu vermarkten und zu verkaufen. Es wird vorkommen, dass ein Produkt als “makellos in Qualität und Preis” dargestellt wird.

Doch dabei werden meist die wahren Nachteile verschwiegen oder kleingeredet, um potentielle Kunden nicht zu verscheuchen. Man sollte sich also stets mehrere Meinungen zu einem Produkt anhören und im besten Fall einen Bekannten fragen, der mit Abwehrsprays und deren Umgang Erfahrungen gesammelt hat. Worauf man bei Tests achten sollte wird im Folgenden erörtert.

Was ist bei Kauf/Produkttests zu beachten?

Beim Kauf des Pfeffersprays können einige Fehler begangen werden, die man im Nachhinein bereut. Grundsätzlich raten wir, keine Dose mit Sprühnebel zu kaufen. Hier ist die Gefahr noch größer, den Wirkstoff selbst in die Augen zu bekommen, von starkem Gegenwind ganz zu schweigen.

Deshalb empfiehlt es sich, eine Dose mit Sprühstrahl zu kaufen, die über eine möglichst große Reichweite verfügt. Somit ist sichergestellt, dass das Konzentrat auch in die gewünschte Richtung gelangt. Bei der  Menge und Konzentration von OC ist ebenfalls kein Maximum gesetzt: je mehr, desto besser. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Größe der Dose: bei zu großem Inhalt wird die Sprühdose unhandlich oder könnte in der Tasche festklemmen. Diese zusätzlichen Sekunden können in einem Kampf entscheidend sein.

Einige Drogeriemärkte bieten neuerdings Abwehrsprays zum Verkauf an. Doch wer sich dazu entscheidet, Pfefferspray nicht im Online Shop zu kaufen, der sollte lieber zu einem Waffenshop/Fachhändler gehen, da man dort in jedem Falle professionell beraten wird.

Tipp: Wer sich Abwehspray für das eigene Heim oder andere geschlossene Räume kaufen möchte, der sollte auf Pfeffergel setzen. Hier ist zusätzlich Oleoresin Capsicum benutzt worden, was verhindert, dass sich ein reizender Dampf im Raum verteilt und Andere verletzt. Der Wirkstoff wird somit gebunden und entfaltet sich nur bei Berührung mit Augen oder Schleimhaut.

Die wichtigsten Merkmale auf einen Blick

  • Nur Dosen mit Sprühstrahl kaufen
  • Unser Tipp: Mindestreichweite von 3 Meter beachten
  • Menge im überschaubaren Bereich halten (ca. 50-100 ml)
  • vor dem Kauf von Experten/Fachhändler beraten lassen

Fazit

Abwehrspray kann in bestimmten Situationen Leben retten. Doch dafür ist auch notwendig, den richtigen Umgang sowie innere Ruhe und Selbstbeherrschung zu erzielen. Ebenso wichtig ist die Qualität des Produkts: eine ausführliche Recherche sollte jedem Kauf vorangehen und die Wahl auf einige wenige beschränken können.