Lawinenrucksack – Airbag Systeme für zusätzlichen Schutz

Lawinenrucksäcke sind absolut empfehlenswert. Statistisch gesehen haben 97% aller Lawinenopfer, die einen Lawinenairbag getragen haben, die Lawine auch überlebt. Während die meisten Airbags im Sport eher dazu verwendet werden, den Körper vor einem Aufprall zu schützen, hält der Lawinenairbag seinen Träger soweit wie möglich oberhalb einer Lawine und stattet ihn mit zusätzlichen Luftkammern aus, die die Überlebenschancen bei einer Bergrettung deutlich steigern.

Verschiedene Modelle im Review

 

 

Lawinenrucksack – Abseits der Piste

Wer als Ski- oder Snowboarder abseits der Pisten im unberührten Schnee fährt, begibt sich in ein ungleich höheres Lawinenrisiko. Auf präparierten Pisten ist das Tragen eines Lawinenairbag daher längst nicht so verbreitet. Freerider, Touren Skifahrer und auch Helikopter-Ski machen den Einsatz der Ski Airbags jedoch absolut sinnvoll.

Im Tiefschnee herrscht Lawinengefahrt. Die richtige Schutzausrüstung rettet Leben .

Lawinenrucksack – Funktion nach dem Paranuss Effekt

Die Hersteller für Lawinenrucksäcke mögen im Detail unterschiedliche Systeme anbieten, die Kernfunktion ist jedoch bei allen Rucksäcken gleich und wird landläufig Paranuss  Effekt genannt. Wir kennen den Paranuss Effekt vom Müsli oder anderen granularen Medien. Wenn wir einen Müsli Dose nur lang genug schütteln, befinden sich die großen Körner und Teilchen oben, kleinere Teilchen unten.

Durch das Schütteln entstehen kurzzeitig Hohlräume. In diese Hohlräume rutschen die kleinen Teilchen. Da sich dieser Vorgang beim Schütteln zig mal wiederholt, sind die Teilchen am Ende nach ihrer Größe sortiert. Die Erkenntnis und das Wissen um den Paranuss Effekt haben die Hersteller von Lawinenrucksäcken für sich nutzbar gemacht.

Sobald ein Lawinenrucksack ausgelöst wird breiten sich Luftkammern mit beachtlichen 170 Liter Volumen aus und bilden somit ein „sehr großes Teilchen“. Der Träger des Rucksacks wird im Idealfall nahe an der Oberfläche gehalten was zwei immense Vorteile mitbringt.

  1. Es besteht die Möglichkeit zur Selbstrettung, da die rettende Oberfläche aus eigener Kraft erreicht werden kann
  2. Die Ortung und Bergung eines Verunfallten ist leichter. Einerseits können Körperteile aus der Lawine herausragen und anderseits müssen Helfer nicht mehr so tief graben.

Laut Wikipedia geht die Erfindung bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Ein Oberförster wurde von einer Schneebrettlawine erfasst und blieb nahe der Oberfläche, was er am mitgeführten Wildbret festmachte. Danach experimentierte er u.a. mit Kanistern und konnte den Effekt reproduzieren.

Verschiedene Hersteller – verschiedene Systeme

Ist das Grundprinzip doch immer gleich, gibt es dennoch Unterschiede bei den Lawinenairbag Systemen. Während ein ABS Rucksack mit Kartusche betrieben wird, kommt im Jetpack von Black Diamond beispielsweise ein Düsengebläse zum Einsatz.

Lawinenrucksack Test Berichte und Studien

  • Studie des WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

Nicht nur auf den Rucksack verlassen

Wer Lawinenschutz und Lawinenprävention ernst nimmt sollte neben den Lawinenairbags weitere Schutzmaßnahmen treffen. Zum einen sollte klar sein, dass man sich niemals alleine abseits der Pisten bewegt. Die klassische Lawinenausrüstung sollte unbedingt weiter mitgeführt werden

  • Lawinenschaufel
  • Lawinen Sonde
  • Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät)
  • Skihelm

Realistisch bleiben

Die Überlebenschancen mit Lawinenairbag sind statistisch gesehen größer. Dennoch wird die Statistik schnell ad absurdum geführt, wenn der Nutzer durch das Tragen seine persönlichen Fähigkeiten überschätzt. Frei nach dem Motto „Ich habe jetzt einen Lawinenairbag, was soll mir noch passieren“ werden Strecken und Routen angesteuert, die man ohne Rucksack vielleicht außen vor gelassen hätte. Durch das Tragen entwickelt man keine Superkräfte die einen aus jeder Gefahrensituation herausboxen.

Folgende Lawinenairbag Rucksäcke haben wir uns näher angesehen