Jetforce – Lawinenrucksack mit Düsenantrieb (Pieps / Black Diamond)

Der hier vorgestellte Lawinenrucksack Jetforce hat das Zeug zum echten Gamechanger bei Lawinenrucksäcken zu werden. Die Herangehensweise darf getrost als Weiterentwicklung bisheriger Techniken gesehen werden und somit ist der Pieps Jetforce auf jeden Fall einen genauen Blick Wert.
Der Jetforce ist das Ergebnis zweier bekannter kooperierender Hersteller. Sowohl der für LVS-Geräte bekannte und marktführende Hersteller Pieps als auch der nordamerikanische Wintersport Ausrüster Black Diamond haben sind in der Berg- und die Skiszene auf ihrem Gebiet höchst erfolgreich. Und seit 2014 ist das Ergebnis der Kooperation im Handel erhältich: Der Jetforce Rucksack.

Nicht weiterlesen, wenn Sie Schnäppchenjäger sind!

Gleich vorweg. Wer sich für den Pieps Black Diamond Rucksack interessiert, benötigt eine gut gefüllte Geldbörse. Das innovative Airgbagsystem liegt um ca. 1.000 € definitiv im oberen Preissegment bei der Anschaffung.

Wer es günstiger mag, sollte sich den BCA Float näher ansehen, Preise ab 400 € für einen Lawinenrucksack mit Airbag sind hier durchaus möglich. Zurück zum Pieps Jetforce.
Der Preis relativiert sich für den Jetforce jedoch, wenn man die Folgekosten für Auslösungen mit berücksichtigt. Gaskartuschen anderer Hersteller kosten nämlich ab ca. 100 €, so dass sich die Investition in ein Jetforce System (welches keine Folgekosten mitbringt) langfristig lohnen kann. Dazu später nochmal mehr.

Was bedeutet Jetforce Technologie?

JetForce Rucksack von Black Diamond und Pieps im Test
Pieps Jetforce Tour Rider 24

Black Diamond und Pieps haben die klassischen Pfade der Entwicklung verlassen und ein völlig neues System entwickelt.

Der Airbag Rucksack wird nicht mehr mit einer Gaskartusche befüllt, die erst gezündet und danach ausgewechselt werden muss.
Jetforce setzt auf ein batteriebetriebenes Düsengebläse welches sich an jeder Steckdose wieder aufladen lässt. Das Düsengebläse bringt den Airbag in ca. 3,5 Sekunden zur vollen Entfaltung. Patronensysteme liegen ebenfalls bei 2-3 Sekunden.

Die Dauer ist ausreichend zumal man berücksichtigen muss, dass der verbaute Airbag mit 200 Litern Volumen deutlich die Mindestanforderungen von 150 Litern übersteigt und das Volumen größer als das der meisten übrigen Lawinenrucksäcke ist. Der JetForce Airbag ist somit 33% größer als nötig und größer als die meisten anderen Systeme.

Der Jetforce Airbag ist Hightech pur

Wir halten fest, die Jetforce Technik kommt ohne Kartusche aus. Das ist bereits ein Highlight, aber es geht noch weiter.

Mehrfachauslösungen sind möglich

Der Hersteller gibt an, dass ein aufgeladener Rucksack vier Airbag Auslösungen schafft, Lithium Ionen Akku sei Dank. Bei einem voll aufgeladenen Akku kann man somit vor jeder Tour noch einen Probelauf starten, ob das System einwandfrei arbeitet. Klasse!

Keine Probleme bei Airlines

Da der Jetforce auf Patronen und Gaskartuschen verzichtet, kann der Lawinenairbag problemlos im Flugzeug mitgeführt werden. Auch beim Heli Skiieng gibt es keine Probleme durch das Mitführen des Systems.

Das erste intelligente Airbag System für Lawinenrucksäcke

Pieps und Black Diamond setzen dem JetForce System aber noch die Krone auf. Alle 20 Sekunden nach Auslösung pustet das verbaute Düsensystem noch Luft nach. Für den Fall, dass die Außenhaut gerissen ist, wird dadurch gewährleistet, dass das Volumen des Airbags möglichst konstant bei 200 Litern gehalten wird.

Das war alles? Nein!

Das absolute Highlight folgt zum Schluss. Nach 3 Minuten beginnt der JetForce die Luft aus den Airbags entweichen zu lassen. Dadurch entsteht eine zusätzliche 200 Liter Volumen umfassende Luftkammer, die dem Verschütteten zusätzliche Zeit verschafft, gerettet zu werden.

Hinweis: Der durchschnittliche Verbrauch von Atemluft (abhängig von Alter und körperlicher Verfassung) liegt bei ca. 8-10 Litern pro Minute. In Extremsituationen und bei körpelicher Belastung kann der Luftverbrauch auf bis zu 80-100 Litern pro Minute ansteigen.

In jedem Falle gewinnt die Bergrettung zusätzliche Zeit, um einen Verschütteten aufzuspüren und ihn zu bergen.

So wird der Pieps JetForce ausgelöst

Das Lawinenairbag System weißt bei der Auslösung eine Besonderheit aus. Es wird nicht (nur) wie für andere Systeme üblich über die Zugkraft einer Schnur ausgelöst sondern durch das Drücken eines roten Knopfes der am vorderen Brustgurt angebracht ist.

Da dies mit Handschuhen schwierig sein kann, gibt es aber auch die klassische Möglichkeit, den Airbag über Zugkraft auszulösen. In Extremsituationen ist der Knopf vermutlich nett gemeint aber eher zweite Wahl. Insgesamt jedoch vorbildlich, da das System immerhin zwei Auslösemechanismen verbaut hat.

Lithium Ionen Akku und niedrige Tempraturen

Aufmerksame Leser werden nun vielleicht sagen: „Moment, wie sieht es denn bei kalten Temperaturen aus“. Die Bedenken sind sicherlich berechtigt, allerdings weist der Hersteller eine Betriebstemperatur von -30 Grad bis + 45 Grad aus.

Vorteile des Jetforce im Überblick:

  • Großes Volumen (200 Liter)
  • 4 Auslösungen mit einer Akkuladung
  • Keine Probleme am Flughafen / Beim Heli
  • Intelligentes Nachladen und schaffen einer Atemluftkammer
  • Keine Folgekosten

Nachteile des Jetforce im Überblick:

  • Teurer Anschaffungspreis
  • Schwierig zu drückender Knopf
  • Gewicht je Modell zw. 3.300 Gramm und 3.500 Gramm

Fazit zum Pieps Jetforce

Der Pieps Jetforce Rucksack System ist eine wahre Revolution. Wer einen Lawinenrucksack kaufen möchte und verstanden hat, dass Anschaffungspreis und Folgekosten nicht getrennt betrachtet werden, der erhält ein absolut ausgereiftes Rucksack System, das wegweisend und vielen technischen Features gespickt ist. Man darf gespannt sein, wie die weitere Entwicklung aussieht und ob weitere Hersteller von Rucksäcken das System einführen werden.

Pieps JetForce Rucksack

Pieps JetForce Rucksack
85

Sicherheit

10/10

    Komfort

    8/10

      Preis / Leistung

      8/10

        Flugzeugtauglichkeit

        10/10

          Gewicht

          8/10

            Pros

            • Wiederaufladbare Akkus statt Patronen
            • Mitnahme im Flugzeug
            • Keine Folgekosten
            • 200 Liter Airbag Volumen
            • High Tech

            Cons

            • Hoher Anschaffungspreis
            • Hohes Gewicht

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